Im "Nachrichtenblatt' vom 16. Mai 1952, das anläßlich der Kirchweihe als Sonderausgabe erschien, wird darüber berichtet: Ein großer Freudentag wird für die katholische Gemeinde Weinsbergs der 18. Mai dieses Jahres sein. Die seit vielen Jahren ersehnte Kirche ist in ihren wesentlichen Teilen vollendet und erhält ihre Weihe. Gern ist der Bischof der Diözese Rottenburg der Einladung gefolgt und kommt selbst hierher, um durch die heilige Weihehandlung Kirche und Altar in den Dienst Gottes zu stellen.

Seitdem sich in der nachreformatorischen Zeit Katholiken wieder in Weinsberg niederließen, wurden sie von der ihnen nächstgelegenen Pfarrei Erlenbach aus betreut. Dorthin gingen sie an Sonn- und Feiertagen, dort ließen sie ihre Kinder taufen, dort feierten sie ihre erste heilige Kommunion, dort ließen sie sich trauen und von dort kommt bis zum heutigen Tag regelmäßig der katholische Geistliche zur Ausübung der Seelsorge in Weinsberg.

Im Jahre 1936 gab es in Weinsberg 301 Katholiken, einschließlich der kath. Patienten der staatlichen Heil- und Pflegeanstalt Weißenhof. Heute zählt die Diasporagemeinde Weinsberg selbst gegen 800 Katholiken, ohne die 70 Katholiken von Gellmersbach und die Kranken der Heilanstalt.

Bei der wachsenden Seelenzahl konnte nicht mehr länger der Bau einer Kirche verschoben werden. Doch woher den Bauplatz erhalten, der einer künftigen Kirche würdig ist? Das Jahr 1945 brachte einen Lichtblick; die Verhandlungen über den Kirchenbauplatz, den im Herbst 1945 der H.H. Weihbischof Dr. Fischer selbst in Augenschein genommen und für gut befunden hat, kamen aber erst 1949 zum Abschluß. Wo bisher der Dichterarzt Justinus Kerner sein Denkmal hatte, dort soll die neue Kirche erstehen. Ein großes Entgegenkommen erwies hierdurch die Stadt Weinsberg den Katholiken, daß sie ihnen diesen schönen Platz käuflich überließ.

Seit dem 10. Dezember 1944 durfte die katholische Gemeinde alle 14 Tage zuerst im Ostchor der altehrwürdigen, ehemals katholischen, seit der Reformationszeit aber evangelischen Kirche zu Ehren des hl. Johannes des Täufers, für ihren Gottesdienst benützen. Da der Ostchor bald für die vielen Kirchenbesucher zu klein war, hat die evangelische Kirchengemeinde in dankenswerter Weise, ebenfalls 14tägig, den Gottesdienst im geräumigen romanischen Schiff mit dem gotischen Hochchor gestattet. Für die fast siebeneinhalbjährige gastliche Aufnahme unserer Katholiken in ihrem Gotteshaus sei auch an dieser Stelle der evangelischen Kirchengemeinde Weinsberg der herzlichste Dank ausgesprochen.

Nach längeren Beratungen und Planungen konnte Anfangs September vorigen Jahres der erste Spatenstich getan werden.

Am 7. Oktober 1951 wurde mit gütiger Erlaubnis des Hochwürdigsten Bischofs durch H.H. Dekan Dietrich als Vorsteher des Landkapitels Neckarsulm die feierliche Grundsteinlegung vorgenommen und am 6. Dezember bereits das Richtfest in schlichter Weise gefeiert werden. Bis Ende Dezember war die Kirche eingedeckt. Trotz widriger Witterungsverhältnisse wurde im März dieses Jahres mit dem Ausbau begonnen und so weitergeführt, dass nunmehr am kommenden Bittsonntag, 18. Mai, der Hochwürdigste Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht die Weihe der Kirche und des Altars vornehmen kann.

Möge dieser Tag der Freude für die katholische Kirchengemeinde zugleich ein Tag der Mitfreude und des Segens für ganz Weinsberg sein!